Januskopf
Gedenkwirtschaft
Die drei Gesichter
Wenn die Kriegspartei jenes Pistorius, der bereits mit der Zwangsmusterung deutscher Jugend für den nächsten Russlandüberfall begonnen hat, zu Erinnerung, Mahnung und stillem Gedenken an die 108 Esenser Kinder- und 53 Erwachsenenopfer des letzten mißglückten Feldzugs lädt, dann ist das so paradox wie zum Kotzen und wert, an dieser Stelle abermals pointiert dargestellt zu werden.
Die kleine Lüge, Esens sei „Ziel eines verheerenden Bombenangriffs der Alliierten“ gewesen, verzeiht der HErr gewiß sofort, weil ja auch die Kirche wieder ihren Part in dieser janusköpfigen Gedenkwirtschaft einnimmt.
Esens war nicht Ziel, sondern bloß Wegmarke im Kriegsgeschehen, als eine amerikanische Bomberflotte auf dem Heimweg sich um die Ladung erleichtert hat, die für Emden bestimmt gewesen war.
Da ist sie schon, die erste Fratze des Januskopfes, wenn die heimischen Mahner, Erinnerer und Gedenkmeister vor Stolz darüber platzen, daß wieder Emden top-favorisierter Kriegsmarinestützpunkt ist – Verkündung am 05. Oktober!
Und nachdem der Pistorius der Bevölkerung in den Wegmarken abermals die Zielscheibe auf den Rücken gemalt hat, wird man sich alsdann das selbstverschuldete Leid über den ersten Volltreffer ausmalen dürfen.
Die zweite Janusfratze grinst mit, wenn die Mahner, Erinnerer und Gedenkmeister ihre Erleichterung darüber bejubeln, daß der israelische Rüstungskonzern Rafael mit Volkswagen Osnabrück die Produktion von Kriegsgerät aufnehmen wird, dessen duale Verwendung aber bloß den Einsatz sowohl im solidarischen Genozid an den Palästinensern als auch im Projekt Barbarossa II gegen Russland meint: Ein weiterer Teil der Kriegswirtschaft und noch ’ne Zielscheibe auf dem Rücken der Bevölkerung.
Und da wir schon im Zuständigkeitsbereich der Landespolitik wandeln, bleckt das weitere Janusantlitz MdL Karin Emken, die in nationaler Staatsraison als Teil der niedersächsischen Landtagssekundanten ihre uneingeschränkte Solidarität mit Israel und seinen Massenmördern beflaggt.
Stilsicher betrauert ihre Gedenkrede die 108 umgekommenen Esenser Kinder vom 27.09.1943, hingegen sie die Abschlachtung der 20.000 Kinder unter den 73.000 liquidierten PalästinenserInnen in der Jetztzeit solidarisch täterverbunden gutheißt und ideell unterstützt.
„MdL Emken wird den Kindern in Gaza bei den Amputationen ohne Narkose zwar ganz sicher nicht beistehen wollen, kann ihnen jedoch als ausgebildete Physiotherapeutin gewiß nach dem Aufwachen aus der Bewußtlosigkeit die Besonderheit ihrer neuen Bewegungsabläufe vermitteln und bei der Reha helfen.
Bis dahin aber mögen zu jeder Nacht die amputierten und toten Kinder sie heimsuchen im Nachtmahr, und jede Nacht sollen die von deutschen Waffen und Soli-Noten Kriegsversehrten und Getöteten nichtendenwollend an ihrem Bett vorbeiziehen …!“
stand hier seinerzeit geschrieben und mit jeder neuen Gedenk-, Mahn- und Erinnerungsrede gewinnt es erneut an Aktualität und verlieren solche Politdarsteller an Akzeptanz, Respekt, Glaubwürdigkeit, Realitätsbezug und allem sonst, was einen zivilisierten Menschen ausmacht.
Hätten Sie’s doch beim stillen Gedenken (und von mir aus regelmäßiger Bärinnen-Einweihung) bewenden lassen!
Aber sie erliegen der Versuchung, sich im Unsinn zu spreizen. Sie beanspruchen Erinnerung! Das rückt sie den Opfern näher als jeglicher Gedanke über Täter und Kausalzusammenhänge.
Nun ist Erinnern eine Kognitionsleistung, die auf eigenem Erleben bzw. Erfahrung beruht, mal abgesehen davon, daß man einigen Heimattümlern die Kognitionsleistung generell in Abrede zu stellen geneigt wäre.
Ein 32-jähriger, der sich an 1943 zu erinnern vorgibt, bleibt eine anmaßende Witzfigur, wo jeder weiß, daß dessen letzte zentralen Erinnerungspunkte das Abitur und der multiple-choice-Test des Makler-Fernkurses waren.
Und auch die weiteren Politdarsteller, die uns unmittelbar nach der Kommunalwahl wie gewohnt wieder das Phänomen ihres Kurzzeitgedächtnisses demonstrieren werden, bleiben bizarre Zwerchfelltrigger, wenn solche das Wahlvolk zum Erinnern aufrufen.
„Mit der Gedenkveranstaltung haben wir in diesen schwierigen Zeiten auch ein klares Zeichen gesetzt: für Zusammenhalt, Offenheit und Respekt. Ein Zeichen gegen den Krieg. Gegen den Krieg damals und heute!“,
so plapperte es aus dem verunglückten Amthor-Klon der Esenser Dorf-Sozis im September 2022 und man darf gespannt sein, was dieses Jahr alles „gegen den Krieg“ herbeiinterpretiert wird.
„Die Deutungshoheit über das Geschehen am 27. September wollte sich die Partei offensichtlich nicht nehmen lassen, wie kritische Beobachter heimlich bemerkten“,
schreibt, selten treffend, der Esenser Tendenzchronist Kiesé dazu schon am 26.09.2020 in bemerkenswerter Kontinuität des o.g. Esenser Warmluftschnackers und
den Trauerredner zitiert er:
„Jeder nimmt von dieser Trauerfeier die feste Überzeugung mit, dass wir allesamt nur gemeinsam zum sicheren Siege schreiten können, wenn wir trotz aller Not und trotz allen Schmerzes unsere Haltung bewahren. Wir wollen nicht nachlassen und mit aller Kraft dafür sorgen, dass unsere Soldaten siegreich heimkehren können, selbst wenn von der Heimat noch große Opfer gefordert werden.“
Panzerbrigade 45 Litauen, VW, Rafael, Iron Dome, Russland, Israel, Gaza, Ukraine etc., selbstverständlich heißt das: Deutsche Kriegswirtschaft und Erstschlagsertüchtigung, die einhergeht mit irreparabler Gemeinwesenzerstörung bei Sozial- und Gesundheitsleistungen, bei Bildung, Wohnen, Rente, Energie- und Grundversorgung.
„Der sogenannte „Verteidigungsetat“ und das Sondervermögen treiben die Mittel für das Ministerium von Boris Pistorius auf ein Volumen von fast 140 Milliarden Euro im Jahr 2026; angestrebt wird eine Steigerung der Verteidigungsausgaben auf bis zu 3,5 % des BIP bis 2029“ (Uli Gellermann, 27.09.2026 via rationalgalerie).
Der Gauleiter aber fährt fort und …
„… forderte den Widerstandswillen der Esenser und appellierte an die Verteidigungsbereitschaft jedes Einzelnen. Jetzt werde die Volksgemeinschaft noch enger zusammenrücken und niemals ihre Siegeszuversicht verlieren.“ …vgl. kriegstüchtig, Resilienz, Notfallrucksack bei Netto…

Weitere Erinnerungs-, Gedenk- und Mahnmalhilfen:

Aufwärmen für das Feuer
Europa rüstet sich für den Krieg — und wer rüstet sich für den Frieden?
Deutschland bereitet seine Krankenhäuser auf bis zu 1.000 verwundete Soldaten am Tag vor. Die deutsche und amerikanische Rüstungsindustrie soll enger verzahnt werden. Milliarden fließen in Raketen und Drohnen für die Ukraine. NATO-Kampfjets schießen Drohnen über Litauen ab. Bundeskanzler Friedrich Merz spricht davon, Russland führe Krieg gegen „die Ukraine und den Westen“. Was ist eigentlich los in Europa?
von Uwe Froschauer via manova, 26.09.2026 – Weiterlesen!

Oh, so schöne Waffen
Kampfjets, Raketen und Kriegstechnik sind für Verteidigungsminister Boris Pistorius offenbar Grund zur Freude, zumindest strahlt er bei ihrem Anblick über beide Ohren. von Uwe Froschauer via manova, 25.09.2026 – weiterlesen!

Schaukampf der Glaubensbrüder
Der Kriegswirtschaft ist es egal, wer unter ihr regiert — in Sachsen-Anhalt ist sie mit beiden Kandidaten um das Ministerpräsidentenamt gut bedient. von Roland Rottenfußer via manova, 26.09.2026 – weiterlesen!

