Wer vom Krieg nicht reden will,
soll vom Faschismus schweigen.

Vom Schandmal zum
Gedenkodrom –
die fortgesetzte Geschichtsfälschung
„Esenser Synagoge trotz Brands erhalten“ behauptet der Tendenz-Chronist in seiner Eröffnungslüge und man möchte „Widdewidde …“ hinzufügen, wenn Langstrumpf Kiesé erzählt, wie er wahrnimmt, daß er’s gerne hätte und sich die Welt macht, wie sie ihm gefällt.
Zwar „brannten SA-Trupps die jüdische Glaubensstätte nieder“, dennoch schnurrt er unverdrossen weiter von der „Synagoge an der Burgstraße“, die „ist seit 1940 privatisiert“.
Hm. Jawattennu?
Die Synagoge als Schimäre
zeigt jene Entrücktheit, die sowohl Kenntnisnahme und Würdigung der Doppelgarage als Schand- und Mahnmal als auch die sturmfeste Verwurzelung der Esenser Einwohnerschaft im damaligen Nazi-Kontext verweigert und ausblendet.
Fremde Kräfte brandschatzten die Esenser Synagoge, Kiesé nennt sie „SA-Männer“ und „das nationalsozialistische Regime“ und unterschlägt dabei, daß eben dies als landesweite breite Volksbewegung in einer zu allem bereiten örtlichen Bevölkerung solide basisverankert war.
Die Brandschatzung vollzog sich ja unter der wohlfeilen Präsenz nicht nur der freiwilligen Feuerwehr sondern auch, was Kiesé ebenfalls verschweigt, der gesamten unmittelbaren Nachbarschaft.
Und er versäumt dabei nicht, gewissenhaft und der Vollständigkeit des detailverliebten Chronisten verpflichtet, subtil auf des Rädelsführers Befehlsnotstand zu plädieren: Der nämlich „erhielt von der ihm übergeordneten SA-Standarte den Befehl“.
Dabei trägt er eine infantile Unbekümmertheit zur Schau, die ihn als Tendenz-Chronisten in seiner Bestimmung aufgehen läßt, das Geschehen so weit zu entkernen, daß statt des faschistischen Einwohnerbezugs eine Leerstelle bleckt, die er bis zum Rand mit Gartenlaubenbanalität auffüllt.
Wie von des Schicksals Hand geführt „gerät das Gebäude in private Nutzung“, und dann „erwarb der Apotheker Enno Johanssen die Ruine“ und die gewiß schweinischen Details des Besitzübergangs 1940 verschweigt der Erzähler geflissentlich und füllt die bezeichnete Leerstelle sogleich ambitioniert mit belanglosem Kiesé-Wissensgeplapper, nämlich „trocknete der Apotheker zuweilen Kräuter wie Kamillenblüten“, dessen „Sohn gleichen Namens verkaufte das Haus 1990“.
Und dann wird’s dem Kiesé auch noch lokalreputierlich: „Musikprofessor Christiaan Verhoog mietete das Obergeschoss für fast fünf Jahrzehnte für sein Chornotenarchiv“ [also bis ca. 2040].
Dementsprechend lautet das sinnlose Fazit unterm Garagenfoto: „Die Synagoge ist seit 1940 privatisiert. Im Obergeschoß lagerte Musikprofessor Verhoog viele Notenblätter.“
Fortgesetzt in pathologischer Entrücktheit beschreibt dieser unsägliche Redakteur die Doppelgarage als „Zeugnis für die jüdische Kultur“, wo sie exakt das Gegenteil verbaukörpert, nämlich das Zeugnis ihrer restlosen Vernichtung !
Diese Auslöschung erfolgte so nachhaltig und gründlich, daß sie sämtliche Spuren, Menschen, Gebäude, Gegenstände, Abbildungen umfaßte – Kiesé-Deutsch: „… stahlen Wertgegenstände und trieben sie durch die Straßen“.
In zahlreichen Oberstübchen hatte diese willkommene Leerstelle dann Platz geschaffen für kreative Überlieferungen, Nacherzählungen, phantasievolle Wunschbilder.
Die gelenkte Vorstellungskraft nimmt eine Richtung, die erblühte Phantasie nennt Kiesé „Visualisierung“, und wo die nicht genügt, fertigte 1986 ein Hobbymaler ein Bild nach beliebigen Erzählungen, die Kiesé „Zeitzeugen“ nennt, was schließlich den Freiraum willkürlich grundiert für Planungsentwürfe eines zukünftigen Gedenkodroms.
Damit führt er weit weg von einer Esenser Täterschaft am Pogrom und betreibt Historienentsorgung und Geschichtsfälschung, die es den Enkeln ermöglicht, unbelastet, gedanken- und kontextfrei die sehr spezielle Esenser „Erinnerungskultur“ regelmäßig aufzuführen und das Schandmal Doppelgarage zu überschreiben und unkenntlich zu machen.
Zivilisiertheit, Kultur, Moral waren nicht gerade die örtlichen Tätermerkmale, so findet die Historienentsorgung der Doppelgarage – postkompensatorisch – zum stilsicheren Höhepunkt eines allerdings abermaligen Größenwahns.
Der angestrebte „Kulturort“ zum Mindestpreis von 2,6 Mio. € verspricht, ein Hub der Mahn- und Gedenkwirtschaft zu werden, ein Aufarbeitungspalast sondergleichen und ein Erinnerungscenter für regelmäßige Wiedergutwerdungsevents, das gewiß zu einschlägigen Besinnungsfeiertagen auch überregional in Anspruch genommen werden dürfte.
Da der am 09.11.2026 anstehende Feiertag zum Pogrom sicher wieder auch als publizistische Einstimmung auf dieses Esenser Leuchtturmprojekt daherkommt, sei untenstehend noch einmal der exit-esens-Beitrag dazu aus dem Jahresrückblick Dezember 2025 zum Lesen empfohlen:
Doppelgarage – die sogenannte Synagoge
Am 16. April 1940 meldete der Wittmunder Landrat dem Regierungspräsidenten in Aurich: „Die Städte Esens und Wittmund sind judenfrei.”
Aber erst im August 2019 verläßt Cyrus Overbeck die Stadt … und macht den Weg frei für seinen ehedem zurückgewiesenen Stolpersteine-Vorschlag sowie weitere endlich ungestörte professionelle Gedenkwirtschaft.
Deren Gedenkmeister und -gesellen haben sich nun eingefunden, um sich eine „Synagoge“ zu bauen.
Das allerdings setzt voraus, ein bestehendes Dokument der Zeitgeschichte, ein Baudenkmal, unkenntlich zu machen und zu beseitigen.
Denn die Doppelgarage aka „Synagoge“ ist gelistet als „abgegangenes Bauwerk“ und dessen Erhaltungsbedeutung folgendermaßen begründet:
„Gerade die Reste der ehemaligen Synagoge sind ein wichtiges Zeugnis der deutschen Geschichte und der Judenverfolgung. Aus historischen Gründen sind die Reste der ehemaligen Synagoge (…) als Baudenkmal zu sehen“.
1938 wurden ja in bewährter deutscher Gründlichkeit nicht nur das Gebäude, sondern sämtliche dazugehörigen Zeugnisse, Abbildungen, Überlieferungen mitvernichtet, um jegliche Form von Existenz, auch die virtuelle, darstellende, gedankliche, auszulöschen.
Diese Leerstelle wird nun absurderweise als „Jüdisches Erbe“ (Kiesé, grinsend) gehökert und mit der Demonstration tiefster Inbrunst überschminkt.
Keineswegs nämlich ist der [nicht existente] Nachlaß jüdisch, sondern bloß sprach-, wahrnehmungs- und bedeutungsverludert und somit ebenso terminologisch paradox wie die Behauptung einer „Ökumene“ von Juden und Christen oder der anmaßende Begriff „Jüdisches“ Museum.
Dieses Fehlen aber behindert ja nun nicht etwa die vielgepriesene Gedenk- und Erinnerungsarbeit, sondern soll im Gegenteil abermals den Weg freimachen für widerspruchsfreie Gedenk-Architektur und die Konfiguration von Selbstwahrnehmung und -darstellung der Akteure im Bezug auf Tat und Opfer.
Die Amateurmalerei von 1986, gefertigt nach Erzählungen, bietet da in primitiver Unzulänglichkeit die willkommene Vorlage, die Lücken nach Wunsch mit Verklärung, Legendenbildung, bizarrem Historien-, Kultur- und Kunstverständnis und sonstiger Nützlichkeitserwägung zu füllen, bis zum Größenwahn: „… soll das lokal verwurzelte und zugleich international vernetzte Haus zu einem zentralen Akteur im Bereich jüdischer Regionalgeschichte werden und sich der lebendigen Vermittlung zwischen Religionen und Kulturen widmen“, lumpt und pumpt AfH-Schreibkraft Kiesé die Selbstbewertung auf.
Säuberung
Damit verstellt es den Blick auf das noch erhaltene geschändete Restergebnis des damaligen Pogroms und vernichtet dessen Erhaltungsbedeutung durch Überschreiben.
Die denkmalspezifische Botschaft liegt ja in der Präsenz eines entweihten Nutzbaukörpers und seiner widerlichen Verwendung als Doppelgarage. Dies ist das eigentliche Mahnmal, das es in seiner ganzen Authentizität zu erhalten gälte.
Doch die Lüge ist bereits in der aktuell und seit längerem gebräuchlichen Nomenklatur eingeschreiben, die Garage als Synagoge zu bezeichnen, welche de facto bei der Fachbehörde wohlbegründet doch als abgegangenes Bauwerk gilt.
Demzufolge muß das neu zu errichtende Bauwerk auch ein Lügengebäude bleiben, mit dem ausschließlichen Zweck, das dortige originale Dokument der Zeitgeschichte zu tilgen und unkenntlich zu machen.
Bei denkmals- und sachgerechter Würdigung wäre der Bestandsbaukörper ja vielmehr ein sehr beredter Teil der Esenser Post-Judengeschichte, der die langjährige Genesis und den Werdegang einer verlorenen Brandruine zur unbekümmert profanen Doppelgarage, ihrer Aneigner, Verwerter, Eigentümer, Umnutzer dokumentierte.
Forensische Architektur
Hier wäre in erster Linie die Forensische Architektur gefordert, die ja Aufschluß gibt über Taten, Hergang und Folgen, mit der Recherche zur demonstrativen Entwürdigung des Sakralgebäudes benachbarter Bürger durch ihre Miteinwohner – eine Schweinestallnutzung beispielsweise kam ja bloß wegen unmittelbarer Eingepaßtheit in die Wohnbebauung nicht infrage – und dem gewiß unerwünschten Aufkommen der Frage von > Scham und Schande.
Das aber frevelt die lokale Gedenkwirtschaft, weil statt Scham und Besinnung die Selbstgefälligkeit vorwiegt und die Täuschung über eine zweifelhaft erfolgreich absolvierte Wiedergutwerdung, die einer unablässigen Aufführung bedarf und im Neubau ! einer „Synagoge“ ihrer Vollendung zustrebt.
Gedenkodrom
Mit dieser Fälschung ist nichts mehr ehrlich und authentisch, sondern mit vollem Vorsatz der Botschaft eines vielleicht auch schmerzhaften Mahn- und Gedenkpotenzials entkleidet.
Bestätigt wird solch unerträgliche Verkitschung durch die beabsichtigte Hinzuziehung eines Fachplanungsbüros für Sakralbauten!
Welch ein völlig kaputter Denkmalbegriff, der jedem Denkmal-Fachmann das Blut in den Adern gefrieren und die Nackenhaare sich aufrichten läßt.
Er erinnert in bedenklicher Form an eine Art Reliquienverehrung, wo jenem – einem Evangelisten zugeschriebenen – Knochensplitter ein güldener Ausstellungsschrein zur Ertüchtigung als Pilgerstätte gewidmet ist.
Diese Garage ist das Trojanische Pferd für die Realisierung eines Event-Palastes.
2,6 Mio. € sind an Mindestkosten veranschlagt, wie viele Mietwohnungen kann man dafür bauen?