BIFI 2: Anzeiger-Senf zum Hosentaschenwürstchen

 

 

 

BIFI
zum Zwoten

 

Der Anzeiger-Senf
zum Hosentaschenwürstchen

 

 

 

 

Wenn der Sturm über Ostfriesland fegt, erleidet gar manches Holthaus Schaden an der Mansarde, wo das Sprachzentrum sitzt, das dann havarierte Sätze generiert wie
„Studierende nehmen sich dem Marktplatz an“ …!

Wenn der dann weiterbraust, „entwerfen sie Ideen für mögliche Umgestaltung der Fläche …“
Okay, Idee hat man oder man hat sie nicht und gar manchen überkommt sie einfach, denn die Idee ist ja bekannt für Spontaneität, Plötzlichkeit und den Affekt des Moments. Hingegen erlangt niemand eine Idee durch Entwurf, Entwicklung oder Fertigung, denn ebensowenig ist es bislang irgendjemandem gelungen, Sinn zu machen.
Allenfalls entwickelt also jemand aus einer Idee ein Konzept, gar ein Start-up, ein Projekt, wenn’s gut läuft; wenn nicht, bleibt die Idee im Formulierungsstadium und in der Schublade.

 

Dazu erzählt also die Holthauslerin im Fortsatz, daß jene, die bislang und seit längerem leider auch keine Idee haben, nunmehr mit diesen, die zwar auch noch keine Idee haben, aber eine zu entwickeln trachten, eine sogenannte Kooperation eingehen und im Nebenwiderspruch das Problem aufwerfen, daß also die akademischen Auszubildenden jetzt in Stadtmanagement und Lokalpolitik machen, während das grüne Hosentaschenwürstchen BIFI die Studenten in Quartiersentwicklung ausbildet.

 

Die lose-lose-Konstellation, in der weder die einen das eine, noch die anderen das andere hinreichend beherrschen, erzählt die Anzeiger-Reporterin aber als win-win und bestätigt das Schadensbild an der Mansarde ebenfalls mit dem vorweggenommenen Doppelmoppel „Ideen für eine mögliche Umgestaltung“, denn siehe, ob eine Umgestaltung möglich ist, erweist sich in der Regel erst in der späteren Entwicklung von einer Idee zum Konzept usw., d.h. ihre Realisierbarkeit wird ja nicht bereits mit der Idee geboren.
Compris, Sabrina?

 

Jedenfalls haben die Studenten, wo Sprache, Gedanken, Bedeutung und Sinn zur akademische Kapriole „kooperieren“, auch einen Hochschullehrer dabei, der sehr zur Freude der Zeitungsschreibkraft als Experte bezeichnet werden darf. Kaum haben die zum Fotoshooting Formation eingenommen, strahlt der Professor Stielike sogleich wie ein Honigkuchenpferd, als hätte er ihnen soeben ihre Seminaraufgabe eröffnet:
„als Kursleistung einen freiraumplanerischen Entwurf für einen attraktiven Marktplatz in Esens zu erstellen“.

 

Alle strahlen mit, die Sonne scheint, Sabrina knipst, Grüne, EBI und Frau Hähner sind mit drauf und aus der dritten Reihe blinzelt der Stadtdirektor, denn noch hat niemand bemerkt, wo die Tücke der Mission liegt. Ein Entwurf für einen attraktiven Marktplatz öffnet ein unendlich weites Spielfeld zum brainstorming, das aber mindestens die Definition der Unattraktivität voraussetzt!

Sei’s drum, „Es hat sich angeboten, das zu kombinieren“, sagt Stielike.
„Was jetzt?“, müßte Sabrina Holthaus fragen.
Tut sie aber nicht, sondern schreibt und plappert und fördert bloß den Lesefluß, um sich selbst und die Leser nicht zu überfordern, ganz wie sonst der Tendenzchronist Detlef Kiesé. Und die Erzählbegriffe „attraktiv, Marktplatz, Ideen, Kursleistung, Kick-off, Wertschätzung, motivieren“ bilden weiter das Große Kombinationsrätsel.

 

Ganz im Sinne der Anzeiger-Tradition liefert alsdann die Erzählerin eine besondere Nachricht mit „wie viele unterschiedliche Interessen beim Markt aufeinander treffen“, einer
Erkenntnis also, deren zweieinhalbtausendjährige Evidenz sowohl bei akademischem Nachwuchs als auch bei betreuender Erzählkraft wohl echte Überraschung hervorruft.

Mit beispielhafter Beweiskraft zählt Sabrina zum „Interessenkonflikt“, daß die Schützencompagnie Esens den Markt weiter nutzen möchte, „argumentiert Ritter“ [stellv. Bürgermeister] und das Rätsel, das sie mit der Zuschreibung „argumentiert“ in ihren Text wurschtelt, deutet schwer auf eine dumme KI-Generierung hin, die wichtige Begriffe aufzufädeln beauftragt wurde.

 

Die Lokalität „de Platt“ verortet Letztere dann auch noch „unweit“ des Marktplatzes, demzufolge es sich wohl um ein Mundart-Café irgendwo in der Nähe handeln müßte, aus dem ein frommer Schwurbelwunsch ertönt: „Wir wollen einen schönen Marktplatz mit Aufenthaltsqualität, der für die Zukunft gewappnet ist“, der der Inhaberin Bettina Hähner zuzuschreiben ist.

 

Mehr konkrete Zielansprache für die Studentenschaft geht kaum und verursacht auch spontan erste Forschungsergebnisse:
„„Es gibt hier bereits viel Potenzial“, zog Studentin Kate [ …] ein Fazit“, behauptet die Anzeiger-Aggressorin gegen die deutsche Sprache, während wikipedia mit letzter Kraft defensivst ihr zuruft:
„Ein Fazit ist der zusammenfassende Schlussteil eines Textes, einer Rede, einer wissenschaftlichen Arbeit oder einer Analyse, der die wichtigsten Ergebnisse darstellt und bewertet“!

Eine gemeinsame Schwurbelbasis wurde bereits von Studentin Liska gefunden, „einmal ein Projekt zu machen, bei dem es auch denkbar ist, dass daraus vielleicht etwas entsteht.“ – Motivation entsteht, wenn Skepsis mit Fatalismus kopuliert …

Und wenn dann „Studentin Karina erste Gedanken teilt“, dann beschreibt sie, ungewollt treffsicher, das A & Ω, Anfang & Ende, des Projekts BIFI: „Wir müssen sehen, wie wir möglichst alle unter einen Hut bekommen“!  –
Da sind wir wieder.

 

BIFI und das Innenstadtproblem

 

BIFI
und das
Innenstadtproblem

 

 

 

Als Marx in Ergänzung zu Hegel feststellen mußte, daß Geschichte sich wiederholt – das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce – hätte gewiß niemand gedacht, daß sich dies dereinst an Esenser Verhältnissen verifizieren würde.

Und als seinerzeit die BiFi auf den Markt trat, hätte gewiß niemand gedacht, daß 55 Jahre später solches sich wiederholt und abermals eine BiFi auf den Markt tritt, und das ausgerechnet in Esens.

 

Was also 1972 als Hosentaschenwürstchen (Minisalami) daherkam, sollte für die heutige Zeit -history, history- gerade beliebt und tauglich genug sein, ebfls. auf den Esenser Markt zu treten, um unter dem gleichnamigen Kürzel BIFI ein gewisses Innenstadtproblem zu thematisieren.

 

BIFI bedeutet hier nun „BürgerInitiative Freundliche Innenstadt“ und hatte sich für die letzte Anzeiger-Berichterstattung noch als „ArbeitsKreis Freundliche Innenstadt“ vorgestellt, aber zwischenzeitlich umetikettiert, weil „AKaFI“ wohl gefährlich nahe dem Gaddafi ins Ostfriesenohr hätte verlauten können, und „AKreiFI“ aggressiv klingt, siehe Hass&Hetze.

 

Gleichwohl bleibt aber das Hosentaschenwürstchen auch durch den Aufkleber „Bürgerinitiative“ ein ausgemachter Etikettenschwindel, sei es aus taktischer Überlegung oder aber, weil die Aktivisten mit der Semantik in der deutschen Sprache ohnehin auf Kriegsfuß stehen.

Denn eine „Bürgerinitiative“ erwächst in der Regel dort, wo die Politik zu kurz greift und die Bedürfnisse der Bevölkerung verkennt oder ignoriert. Dann formiert sich – gewissermaßen als Fachleute ihrer Lebenszusammenhänge – aus der Einwohnerschaft heraus eine Initiative, die sich mit einem klar definierten Sachproblem an die Politik richtet.

 

Diesem ganz speziellen Esenser Konstrukt BIFI aber stehen hinten links der Grüne Ratsherr und Fraktionssprecher Martin Mammen, rechts der Ratsherr Volker Wieting der sogenannten Esenser BürgerInitiative EBI (abermals so’n kranker Etikettenschwindel!) und in der Mitte der Grünen-Vorständler Eberhard Hoffmann (mit Dr. Jan Stielike) – vor, beziehungsweise als drei Enden des Hosentaschenwürstchens da.

 

Daß jegliche Basis-Initiative just in dem Moment kastriert ist, wenn Politik sich an deren Spitze setzt bzw. gar von dieser initiiert wurde, gilt nicht nur landes- und bundespolitisch, sondern auch und vor allem vor Ort.

Dazu studiere man nur das Lehrstück, wie reibungslos die sog. BürgerInitiative Dunum-Moorweg-Stedesdorf zum Abstellgleis für einst berechtigten Widerstand gegen skandalöse OOWV-Abwasserpolitik und zum Instrument der Volksverdummung wurde, um in stille Bedeutungslosigkeit geführt zu werden.

 

Darüberhinaus aber krankt die Esenser BIFI auch an der Unfähigkeit, ein klar definiertes Sachproblem -s.o.- zu definieren, demzufolge eben auch die profilierte Zielansprache fehlt.

Weil die Esenser Politik überaus bestrebt  ist, in ihrer Konsenssuppe zu schwimmen, gibt es keinen Ort, wo Dissens überhaupt thematisiert, geschweige denn öffentlich ausgetragen wird. Schon das Beschweigen der Widersprüchlichkeit von Meinungen und Interessen dient hier jener Einmütigkeit, die jeglicher urbanen Entwicklung im Weg steht und ist nichts weiter als politische Faulheit, Verantwortungsflucht und verhuschte Hinterlist.

 

Lauwarmen Politcharakteren ist nichts peinlich und kommt es wohl nur zupass, daß Oldenburger Studenten, also ferne Lehrlinge, Gedanken freizusetzen üben, die den Esenser Einwohnern als den eigentlichen Experten ihrer Lebenszusammenhänge von der Politik offenbar abgesprochen werden – sonst gäb’s ja eine Bürgerbefragung.

 

Was also die politischen Konsensbader in vielen Jahren nicht geschafft haben, nämlich eine solide, gesicherte Fußgängerzone Marktplatz / Herdestraße zu installieren, das richten sie nun als Wunschzettel an die geringsten ihrer Brüder, nämlich an solche, die’s gerade zu lernen beginnen und feiern auch noch sich selber und bereits die Bekanntgabe (nicht etwa die Fertigstellung!) der Hausaufgabe mit einem Empfang im Ahnensaal – gewissermaßen werden hier bei der Einschulung schon die Doktorhüte hochgeworfen.

 

„Freundliche Innenstadt“, welch butterweicher Unsinn!
Freundlich mag allenfalls das Personal der Lokalitäten sein, aber das läßt sich weder politisch noch bürgerinitiativ herstellen.
„Freundlich“ ist hier als personifiziertes Quartiersmerkmal ein Peinlichkeitskunstgriff, weil sie „absolute Fußgängerzone“, „fahrrad- u. abgasfrei“ nicht sagen, geschweige denn vehement fordern mögen, da die Formel als strukturelle Gewalt die woke Konsensbrühe von SPD, CDU, Grünen, EBI, Kneipen, Buchhandel, Schuhladen, Elektroladen und ja: Volksbank! eintrüben würde.

 

Stattdessen soll hilfsweise die politische Mut-, Ziel- und Gedankenlosigkeit eines einst grünen Arbeitskreises, der nunmehr zur Bürgerinitiative aufgepumpt ist, mit akademischer Reputation bemäntelt werden.
Besser noch: Studenten sollen jene „Ideen entwickeln“, bei denen die unzureichende Kognitionsleistung der örtlich Zuständigen über die bloße Wahlkampfverheißung „innerstädtische Verweilqualität“ nicht hinausgekommmen ist.

Auch füllt es die Zeitungsseiten und politischen Veranstaltungskalender, wenn die Übungsaufgaben der zahlreichen, zweifellos interessanten Fachbereiche der Uni Oldenburg jeweils in Esens mit Rathausempfang und Stadtführung ausgeteilt werden.

 

So ist dies also weniger eine Frage der Esenser Quartiersentwicklung als vielmehr der psychologischen Beschaffenheit und des Selbstverständnisses der Politdarsteller.

Näherliegend wäre doch die Aufgabenstellung für Studenten der medizinischen Fakultät der Uni Oldenburg, Fb Neuroscience, im Zuge derer z.B. eine öffentliche Familienaufstellung aus Ratsparteien, AEU, Stadtmanager und BIFI weiteren Aufschluß versprechen könnte.
Man sollte das gem. § 34 NKomVG anregen.

 

Und über den Serviervorschlag des Anzeigers vom 23. Oktober zu diesem Rührstück aus Politik-, AEU-, Stadtmanageraufgaben wird hier im folgenden noch zu reden sein.