Ratsbeschluß: Platz für Rassismus ?

Platz für Rassismus?

 

Antrag des Bürgers Cyrus Overbeck, Ausschnitt

 

Grundsatzfrage ?

Bekenntnisse sind Privatsache, und Privaten ist es freigestellt, diese kundzutun, in Gemeinden, Gruppen, Parteien, Communities sich zusammenzufinden und im öffentlichen Raum einander damit zu bestätigen oder zu belästigen.

Es ist aber nicht Aufgabe von Gebietskörperschaften bzw. ihrer Politik und Verwaltung, öffentlich Bekenntnisse, gleich welcher Art, abzulegen, sondern einzig und vor allem, die Daseinsvor- und -fürsorge ihrer Bürger zu organisieren und sicherzustellen.

Deshalb bleibt Bekenntnispropaganda schlichtweg Impulsgeste, die vor allem dazu taugt, von vernachlässigter Bearbeitung der Kernaufgaben abzulenken.

Klare Kante oder Herumgeeiere ?

Herrschaftszeiten!
Daß aber dann ein Bürger von den politischen Gestaltern des Esenser Gemeinwesens eine klare Position einfordert, macht dessen Antrag sympathisch und verlangt verschärfte Aufmerksamkeit sowohl gegenüber jenem Umfeld, das solches erforderlich macht, als auch dem aufschlußreichen „Abwägen“ um eine solche Selbstverständlichkeit.

Dem Esenser Stadtrat liegt zur Sitzung am Montag 17.06.2019 unter TOP 12 ein Antrag von Cyros Overbeck vor, die Ortseingänge mit dem Text „Esens hat keinen Platz für Rassismus“ zu beschildern.
Die Sachverhaltsdarstellung und Beschlußempfehlung der Verwaltung dazu lassen zu wünschen übrig, auch weil der Antrag „mit E-mail vom 12.04.2019“ der öffentlichen Einladung gar nicht beiliegt.

„Esens hat keinen Platz für Rassismus“ – unklar ist, ob dies eine – möglicherweise als Selbstbeweihräucherung zu diskutierende – Zustandsbeschreibung sein soll, oder aber ein Imperativ, der den Adressaten zur Mitwirkung am Erreichen des Wunschzustands auffordert – dann fehlt das Ausrufezeichen!

Die Intention ist jedenfalls die Aus- und Abgrenzung von Rassismus in allen Erscheinungsformen und ihrer Hinterbringer.

Wer aber im Wortlaut  der Verwaltungsvorlage in diesem Kontext „zur Offenheit und zum Respekt gegenüber anderen Menschen und Kulturen anregt“, propagiert sinnigerweise das Gegenteil (vgl. „Mit Nazis reden!“), nämlich die Hereinnahme auch von faschistoiden Charakteren respektive ihren kulturellen Ausprägungen bis zur Gebrauchskunst (siehe auch TOP 12.2 ).

Größtmögliche Benutzerfreundlichkeit

Wer „Respekt! Kein Platz für Rassismus“  labelt, betreibt die erste Verwässerung  eines klaren Anliegens durch die Implikation, zentrales Wesensmerkmal des Naziterrors sei vor allem diese gewisse Respektlosigkeit gewesen.

Und wer solches beispielhaft zusammenrührt mit „Der Landkreis Wittmund ist bunt“, (d.h. jeder kann mitmachen, gern auch die Braunen), verwässert und diskreditiert in Vollendung bis zur Unkenntlich- und Beliebigkeit auf’s Kindergartenniveau: bunt sind 99 Luftballons, der Zirkus in der Stadt, die neue Kita, die Kirmesbuden am Schützenplatz, die aktuellen Automarken, Ikea-Küchen, Fashion-Krawatten, Schubkarren bei Raiffeisen und und und … als ob des Naziterrors  globales Alleinstellungsmerkmal die fehlende Farbenfreude gewesen wär‘ .

„Letztlich stellt sich die Frage, mit welcher Formulierung man möglichst viele Einheimische und Gäste am besten anspricht“
behauptet die Verwaltungsvorlage, wieder mal ächzend auch unter der touristischen Last der Verantwortung.
„Freibier für alle!“  könnte da die Antwort lauten.
Abstimmungsergebnis?

 

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