Jusos erwecken
Jugendparlament
Selbstbezüglichkeit als absurdes Theater
Diese jüngst plakatierte Forderung der Esenser Jusos stellt sich als kleiner Treppenwitz der Stadtgeschichte dar, dessen 6-jährige Entwicklung zur Wahlkampfposse hier nachzulesen ist und der offenbar ihrem vorangegangenen Projekt Stammtisch am 01.07. im Milieú zu fortgeschrittener Stunde entsprungen ist.
Das Jugendparlament ist seit 2020 nicht mehr existent und war 2023 Anlaß für einen fundierten Bürgerantrag, der aber im nichtöffentlichen Samtgemeindeausschuß versenkt wurde.
Im Folgejahr wurde dort noch eine überarbeitete JuPa-Satzung beschlossen, die abermals als Papiertiger gefaltet, gelocht und abgeheftet wurde.
Daß die Jusos mit der ihnen eigenen Sprachschwäche nun eine öffentliche Forderung nach Wiedereinrichtung des Jugendparlaments artikuliere[n], offenbart einerseits die Albernheit eines Pöstchensammlers Doppelfunktion als Juso-Chef und Ratsmitglied und andererseits die flatterhafte Orientierungslosigkeit der SPD-Nachwuchstruppe.
Denn deren Forderung richtet sich gegen sie selbst !
Wahlkampf und Rollenmuster
Die Jusos sind personell Teil der beschließenden Kommunalpolitik; die SPD als Mehrheitsgruppe im Rat hat die Macht, Zuständigkeit und Aufgabe, Anträge zu beschließen und als Vertreter des Souveräns die Verwaltung anzuweisen. Wenn die Jusos jetzt eine Forderung öffentlich propagieren, ist das ein altbekanntes politisches Manöver und bedient ein gebräuchliches Muster.
Rollenverteilung im Wahlkampf
Die Jusos möchten offiziell als kritische Jugendorganisation, als Speerspitze progressiver Politik, die Druck aufbaut, wahrgenommen werden, obwohl die eigenen Leute zugleich auch in der Wirtspartei SPD am Hebel sitzen. Das erlaubt der SPD, im ganzen Verheißerscheiß des anstehenden Wahlkampfs mit einem jungen Thema zu werben, ohne daß die Fraktion im Rat dafür unmittelbar Rechenschaft ablegen muß, warum seit 6 Jahren mit dem JuPa nix passiert.
Verantwortungsverschiebung
Indem sie die Forderung öffentlich erheben, wird der Schwarze Peter an die Verwaltungsspitze geschoben und dabei verschwiegen, daß zunächst die zuständige Politik die Weiterentwicklung und die Ressourcen dazu beschließen müßte.
Witz-Erklärbär
Die lächerlich-paradoxe Konstellation, daß die Jusos sich hier im Grunde selbst zum Handeln auffordern, läßt sich einerseits an der Doppelrolle von Ole Willms festmachen:
Als Vorsitzender der Jusos fordert er die Politik zum Handeln auf – gleichzeitig sitzt er für die SPD selber im Stadtrat, Samtgemeinderat und Kreistag. Er blockiert und beantragt also als Politiker genau das, was er als Juso-Chef öffentlich einklagt.
Andrerseits ist die SPD in Esens stärkste Kraft und gestaltet maßgeblich – leidlich – die Politik. Die Jusos müßten also überhaupt nicht öffentlich plakatieren und fordern, sondern schlichtweg sich und ihre Parteikollegen unspektakulär dazu aufraffen, die seit 2024 archivierte JuPa-Satzung endlich zu verwirklichen.
Selbstbeschäftigung statt Initiative
Anstatt das Jugendparlament durch eigene praktische Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort direkt wiederzubeleben – was ja die eigentliche Aufgabe einer parteipolitischen Nachwuchsorganisation ausmacht – wählen sie den bürokratischen Weg einer öffentlichen Soz.Media-Pressemitteilung und dokumentieren damit genau diese politische Trägheit und Tatenlosigkeit, die sie selbst seit 2020 praktizieren und mitzuverantworten haben.
Sie stellen öffentlich Forderungen, für deren Erfüllung sie selber verantwortlich und zuständig waren und sind – wenn sie so weitermachen, landen sie noch in der Politik.


